VC Markt Rückblick Mai 2026

Der Schweizer Startup-Markt zeigt im Mai 2026 ein klares Bild: Life Sciences dominieren das Finanzierungsgeschehen. Gleichzeitig fliesst europaweit wieder deutlich mehr Kapital – insbesondere in AI-Infrastruktur, Data Centers, Chips und Drug Discovery.

Die wichtigsten Entwicklungen des Monats diskutieren Guy Giuffredi und ich auch im aktuellen Burn Rate Podcast.

Investment-Volumen Schweiz: Leicht unter April

Im Mai wurden insgesamt rund 190 Millionen CHF in 13 Finanzierungsrunden mit veröffentlichten Beträgen in Schweizer Startups und Scaleups investiert.

Dazu kamen rund 2 Millionen CHF an Grants und Preisen sowie mehrere strategische Investments und Finanzierungen ohne publizierte Beträge.

Zum Vergleich:
Im April lag das Volumen bei rund 222 Millionen CHF.

Das Gesamtvolumen ist damit leicht gesunken. Inhaltlich zeigt sich jedoch ein klareres Bild: Der Mai war ein Life-Sciences-Monat.

Life Sciences dominieren das Gesamtbild

Die grösste Finanzierungsrunde des Monats kam von Windward Bio:

  • Windward Bio (Biotech): 165 Mio. USD
  • Nuclidium (Radiopharma): 26.4 Mio. CHF Series-B-Erweiterung
  • BioCopy (Biotech): 9 Mio. CHF
  • Neurosoft Bioelectronics (MedTech): 7.5 Mio. USD Seed

Bei Nuclidium ist die Einordnung wichtig:
Die Series B wurde auf insgesamt 105 Millionen CHF erhöht. Das im Mai neu investierte Kapital betrug rund 26.4 Millionen CHF.

Windward Bio zeigt gleichzeitig, welche Grössenordnungen im Biotech-Bereich möglich sind. Das Basler Unternehmen wurde erst Anfang 2025 lanciert und hat seitdem insgesamt 365 Millionen USD aufgenommen.

Das Muster ist eindeutig:
Im Biotech fliesst viel Kapital lange vor relevanten Umsätzen. Entscheidend sind klinische Daten, eine glaubwürdige Pipeline und spezialisierte internationale Investoren.

Breite Aktivität ausserhalb von Biotech

Auch ausserhalb von Life Sciences bleibt das Schweizer Ökosystem vielfältig:

  • Stellar Alpina (Space Tech): 3.5 Mio. CHF
  • AVIAN (Industrial Tech): 2 Mio. CHF Pre-Seed
  • Mosaic (AI / Spatial Intelligence): 3.8 Mio. USD

AI bleibt präsent, war im Mai jedoch nicht der dominante Kapitalmagnet in der Schweiz.

Auffällig ist vielmehr die Breite der Anwendungen: Space Tech, Brandschutz, industrielle Systeme und Spatial Intelligence.

Exits: Internationale Käufer bleiben aktiv

Auch auf der Exit-Seite gab es im Mai mehrere relevante Transaktionen:

  • LimmaTech Biologics (Biotech) → Übernahme durch Eli Lilly für bis zu 780 Mio. USD
  • NIRLAB (Analytik) → Übernahme durch 908 Devices für bis zu 23 Mio. USD
  • Curli (Consumer Brand) → Übernahme durch Thule für bis zu 16.9 Mio. CHF
  • Lean Projects (IT Services) → Übernahme durch Cegeka

Die Exit-Aktivität ist damit breiter als die Finanzierungsseite.

Das Spektrum reicht von Biotech über industrielle Analytik bis hin zu Consumer Brands und IT-Dienstleistungen. Gleichzeitig fällt auf: Die Käufer kommen erneut überwiegend aus dem Ausland.

Ökosystem: Netzwerke gewinnen an Bedeutung

Neben Finanzierungsrunden und Exits gab es im Mai mehrere relevante Entwicklungen im Schweizer Startup-Ökosystem:

  • Die Swiss Startup Days brachten Gründer, Investoren, Corporates und politische Entscheidungsträger in Bern zusammen
  • RTDT Laboratories gewann den ZKB Pionierpreis Technopark
  • Der HSG START Accelerator und der Microsoft AI Accelerator schlossen ihre Programme ab
  • Die SEF Growth Awards zeichneten Schweizer Wachstumsunternehmen aus

Gerade in einem selektiveren Finanzierungsumfeld gewinnen persönliche Netzwerke und der direkte Austausch wieder an Bedeutung.

Schweiz: International anschlussfähig, aber mit einer offenen Frage

Der Mai 2026 zeigt drei klare Entwicklungen:

  1. Life Sciences dominieren das Schweizer Finanzierungsgeschehen
  2. Internationale Investoren ermöglichen grosse Biotech-Runden
  3. Internationale Käufer bleiben auf der Exit-Seite aktiv

Das bestätigt erneut: Schweizer Firmen sind global anschlussfähig.

Gleichzeitig bleibt eine bekannte Frage offen: Wie viel Ownership, Wertschöpfung und langfristige Upside bleiben im Schweizer Ökosystem?

Europa: Kapital fliesst in strategische Infrastruktur

Auf europäischer Ebene war der Mai deutlich kapitalintensiver als der Vormonat.

In den vier vollständigen Wochen vom 4. bis zum 31. Mai wurden europaweit mehr als 245 Finanzierungsdeals mit einem Gesamtvolumen von mindestens 9.6 Milliarden Euro erfasst.

Im April lag das Volumen noch bei rund 5.1 Milliarden Euro.

Wichtig: In diesen Zahlen sind unterschiedliche Finanzierungsformen enthalten – darunter klassische Equity-Runden, Growth-Finanzierungen und Kreditfazilitäten.

Die grössten Deals im Mai

  • Pure DC: 2.7 Mrd. USD – Data-Center-Infrastruktur
  • Isomorphic Labs: 2.1 Mrd. USD – AI-basierte Wirkstoffentwicklung
  • Nscale: 790 Mio. USD – Data Center
  • Recursive Superintelligence: 650 Mio. USD – AI
  • ICEYE: 300 Mio. EUR – satellitengestützte Intelligence
  • Focused Energy: 240 Mio. USD – Fusionstechnologie
  • Fractile: 220 Mio. USD – AI-Chips

Das Muster ist klar: Europa investiert zunehmend in die physische Basis der AI-Ökonomie – nicht nur in Anwendungen.

Data Centers, Chips, Energie und Drug Discovery gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig bleiben Space Tech und Security strategisch relevante Investmentthemen.

Fazit: AI wird physischer

Der Mai 2026 zeigt eine deutliche Allokationsverschiebung:

  • In der Schweiz fliesst besonders viel Kapital in Life Sciences
  • In Europa dominieren kapitalintensive Infrastrukturprojekte
  • AI bleibt ein zentrales Thema, wird aber zunehmend physischer
  • Internationale Investoren und Käufer prägen den Schweizer Markt

Kapital ist vorhanden. Es wird jedoch selektiver und strategischer eingesetzt.

Die ausführliche Diskussion zu den wichtigsten Finanzierungsrunden, Exits und Markttrends gibt es im aktuellen Burn Rate Podcast.

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