
Der Januar ist im Venture-Capital-Kalender traditionell ein Monat der Standortbestimmung. Nach den ruhigen Feiertagswochen zeigt sich, ob neue Fonds aktiv werden, ob Finanzierungsprozesse wieder Fahrt aufnehmen und ob sich Exit-Fenster öffnen. Für 2026 lässt sich festhalten: Der Markt ist zurück in der Arbeitsphase. Kein Überschwang, aber klare Aktivität.
Wie wir in unserem Podcast Burn Rate am Samstag kommentiert haben, wurden in der Schweiz im Januar rund 496 Mio. CHF in 19 Finanzierungsrunden investiert. Diese Zahl verdient eine differenzierte Betrachtung. Nicht das gesamte Volumen entfällt auf klassisches Venture Equity, ein Teil betrifft Fremdkapitalstrukturen sowie Secondary-Transaktionen, während reine Debt-Runden nicht berücksichtigt wurden. Zudem haben einzelne grössere Finanzierungen einen starken internationalen Bezug und sind nur teilweise der Schweiz zuzurechnen.
Trotzdem ist die Dynamik im Vergleich zum Dezember deutlich gestiegen, damals lag das Volumen bei rund 250 Mio. CHF. Gegenüber dem Januar des Vorjahres ergibt sich ein leichter Rückgang von etwa zehn Prozent, was jedoch vor allem auf mehrere aussergewöhnlich grosse Runden im Jahr 2025 zurückzuführen ist. Strukturell zeigt der Markt daher Stabilität.
Entscheidend ist weniger die absolute Summe als die Marktmechanik. Die Anzahl der Transaktionen bleibt solide, Kapital wird über verschiedene Phasen hinweg eingesetzt, und Finanzierungen finden weiterhin statt, von wissenschaftsnahen Frühphasenrunden bis hin zu grösseren Growth-Tickets. Diese Breite ist ein zentrales Merkmal eines funktionierenden Ökosystems.
Exits & Pipeline
Auch auf der Exit-Seite gab es Bewegung. Trade-Sales (strategische Verkäufe) bleiben derzeit der dominierende Liquiditätskanal. Mehrere Transaktionen wurden kommuniziert, und aus Investorengesprächen ist zu hören, dass einzelne Exits sehr erfolgreich verlaufen sein sollen. Für Fonds mit Investitionsjahren zwischen 2019 und 2022 ist das ein wichtiges Signal: Liquidität kehrt zurück, allerdings diskret und ohne öffentliche Multiples.
Abseits der reinen Finanzierungsaktivität war der Monat aussergewöhnlich dicht. Der ETH Deep Tech Summit hat erneut die Stärke der akademischen Pipeline unterstrichen, insbesondere aus ETH, EPFL, PSI und EMPA. Gleichzeitig laufen nationale Initiativen zur Skalierung kapitalintensiver Technologien weiter an. Programme, Reports und Netzwerkformate zeigen, dass das Schweizer Ökosystem nicht nur Kapital, sondern auch Strukturen für Wachstum aufbaut.
Diese Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, institutionellen Programmen und industriellen Partnern bleibt der zentrale Wettbewerbsvorteil des Standorts. Kapital folgt zunehmend diesen Strukturen und nicht umgekehrt.
Europa stabil, USA dominieren die Mega-Wetten
Ein Blick nach Europa bestätigt dieses Bild. Mit rund 310 Finanzierungsrunden und etwa 4,2 Mrd. USD Gesamtvolumen präsentiert sich der Markt stabil. Kapital konzentriert sich auf Unternehmen, die künstliche Intelligenz nicht als reines Produkt, sondern als integralen Bestandteil ihrer Wertschöpfung einsetzen. Besonders in der Mid- und Late-Stage sind weiterhin grössere Runden möglich, sofern Geschäftsmodelle klar monetarisierbar sind und operative Traktion nachgewiesen werden kann.
Der strukturelle Unterschied zu den USA bleibt bestehen. Die grössten globalen Kapitalblöcke im Bereich AI-Infrastruktur und Foundation Models werden weiterhin überwiegend im amerikanischen Ökosystem investiert. Europa positioniert sich dagegen in der industriellen Anwendung, wie u.a. in Energie, Fertigung, Space, Life Sciences und Robotics. Diese Spezialisierung bringt längere Entwicklungszyklen, aber auch höhere technologische Eintrittsbarrieren mit sich.
Fazit: Aktiv, selektiv, substanziell
Für die Schweiz bedeutet das konkret: Wettbewerbsfähig ist das Ökosystem dort, wo wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Partnerschaften und langfristig orientiertes Kapital zusammenkommen. Frühphasenfinanzierungen basieren zunehmend auf IP-Tiefe statt auf reiner Wachstumsstory und Growth-Kapital fliesst in Unternehmen mit belastbarer Kundenbasis.
Der Januar 2026 bestätigt damit ein Muster, das sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet hat: ein aktiver, aber hochgradig selektiver Markt. Qualität, technologische Differenzierung und industrielle Relevanz sind die entscheidenden Faktoren für Kapitalzugang.
Für Investoren bedeutet das intensivere Due-Diligence-Prozesse und klarere Investmentthesen. Für Gründer heisst es, dass Kapital weiterhin verfügbar ist, allerdings nur für Modelle mit nachhaltiger Technologie und realem Marktbedarf.
Der Markt liefert derzeit weniger spektakuläre Schlagzeilen, dafür aber belastbare Signale. Und genau diese Phase bildet die Grundlage für nachhaltige Renditen in den kommenden Jahren.
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